::: Porzellanpuppen


Kind – kindlich – Unschuld?

Westliche Puppen sind auf eine übertrieben, süsse und niedliche Art gestaltet. Sie werden nach einem überspitzten Kindchenschema dargestellt und wecken Beschützerinstinkte. Diese Puppen sind das menschliche Abbild eines idealisierten Kindes, süss, rein und immer brav. Das Ziel meiner Arbeit ist es, diese Idealisierung zu hinterfragen. Mich interessiert der Grenzbereich zwischen süss und abstossend, gut und böse, lieb und garstig, ideal und unperfekt. Das Liebliche, das im nächsten Augenblick ins Hinterhältige umschlagen kann. Das Vertraute, das plötzlich befremdend wirkt.

Meine Puppen sollen einerseits mit den gängigen Puppen-Idealen kokettieren. Ich greife Elemente des Kindchenschemas auf: der grosse, kugelige Kopf oder kleine, knuffelige, weiche Körper , um beim Betrachter den „Jööh-Effekt“ auszulösen. Anderseits sollen die Puppen durch ihre Unförmigkeit, Unperfektheit und Skizzenhaftigkeit auch irritieren. Die Irritation soll darin bestehen, dass man zwischen Anziehung und Befremdung hin und her gerissen ist. Die Gemütslage meiner Puppen soll nicht klar definiert sein. Ist sie nun traurig oder trotzig? Sitzt sie brav da oder heckt sie etwas aus? Ich möchte es dem Betrachter offen lassen, was er in meine Puppen hineininterpretieren will. Es sind eigenständige Wesen, denen man diese Eigenständigkeit auch zutrauen soll. Vielleicht kann man ihnen nicht ganz trauen?

Das Ziel meiner Arbeit ist es, die Idealisierung des Kindes und der Kindheit zu hinterfragen. Meine Arbeit stellt unserer süssen, kommerziellen Puppe ein abstrahiertes, verformtes Wesen gegenüber. Ich glaube, es sind die Gegensätze und die Unperfektheit, die das Menschliche ausmachen, genau dies fehlt bei fast allen kommerziellen Puppen.

 

Porzellan, Stoff, Zwirn
Höhe ca. 24cm