::: Nippes


Das Kostbare und Glänzende verbunden mit zerbrechlicher Vergänglichkeit: Altes europäisches Tafelzier. Oder wie es Gerhard Röbbing beschreibt:
«Die Figuren fanden ihren Platz in den privaten Kabinetten, in die man sich in kleinstem Kreis zurückzog oder zum Stelldichein verabredete. Ein Blick auf die Gesimse der Kamine und die darauf stolz präsentierten Luxuswaren verfehlte bei kaum einem Gast die erwünschte Wirkung. Die Kabinettstücke waren Ausdruck von Reichtum und Raffinesse des Besitzers, ihre Würdigung erforderte die nahe Betrachtung und ein hohes Mass an Bildung. Vorstellungskraft war gefordert und Beglückung gesichert, wenn man das Rätsel der kleinen Figuren um ihren Inhalt gelöst hat.»

Auch heute noch finden sich in so manchen Wohnzimmern Porzellan-Zimmerschmuck. Viele dieser Figuren stammen aber nicht aus den königlichen Porzellanmanufakturen, sondern aus billiger Massenproduktion. Als Nippes oder Kitsch verschrien, haftet ihnen ein zweifelhafter Ruf an. Übertrieben glitzerndes, funkelndes, ansonsten aber nutz- und wertloses Zeug? Auf Flohmärkten stöbere ich nach diesen Porzellan-Nippes und nach altem Tafelzier. Die gesammelten Figuren erhalten neue Köpfe, werden zum Teil mit amorphen Formen ergänzt oder mit goldenen Dekors erweitert. Es entstehen groteske Zwitterwesen, die uns mit feiner Ironie eine neue Geschichte erzählen.

Porzellanfiguren, die eine grosse Welt im Kleinen schildern.
So sollen auch meine Figuren die Gesimse der Kamine besiedeln, die Vorstellungskraft fordern und Beglückung sichern. Auf dass, das Rätsel der kleinen Figuren um ihren Inhalt gelöst werde.


Porzellanfiguren secondhand / Porzellan-Paperclay glasiert
z.T. aufkochende Porzellanmasse / z.T. Glanzgold
1280°C gebrannt
Höhe ca. 22 cm
Fotos: Karin Scheidegger